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Kontext muss da liegen, wo der Agent arbeitet

5 Min. Lesezeit

Neues Feature, neues Ticket. Ich lese die Beschreibung und merke nach zwei Absätzen: Das ist maximal die halbe Geschichte. Also ab ins Wiki. Irgendwo muss es doch diese Konzeptseite geben. Drei Suchbegriffe später hab ich sie, oder zumindest eine Version davon. Dann Teams. Da war doch vor ein paar Monaten dieser Thread, in dem entschieden wurde, dass man es doch anders macht. Scrollen, scrollen, gefunden. Und das, was nirgends steht, weiß halt der Kollege zwei Tische weiter.

Am Ende sitze ich da mit einem Haufen Schnipsel. Ein Stück Ticket, ein Absatz aus dem Wiki, zwei Chatnachrichten, meine eigenen Notizen. Das kopiere ich alles zusammen und kippe es dem Agent rein, damit der überhaupt erstmal weiß, worum es geht.

Und dann, eine gute Weile später, fängt die eigentliche Arbeit an.

Der Agent kennt nur, was er sieht

Den Code schreibt bei mir inzwischen größtenteils der Agent. Das klappt richtig gut, aber nur, wenn er das Gesamtbild hat. Also nicht nur die eine Datei, sondern warum das System so gebaut ist, was drumherum hängt und was man schon mal probiert und wieder verworfen hat.

Klar, man kann vieles anbinden. Wiki per MCP, Tickets per API, irgendein interner Chatbot. Geht alles. Aber jedes Tool ist halt noch ein Schritt mehr: noch eine Verbindung, noch ein Login, noch ein Ort, an dem man dran denken muss, was nachzuziehen. Das ist Reibung, und Reibung heißt, dass der Kontext genau dann fehlt, wenn man ihn braucht.

Nah, schnell, einfach

Mein Punkt ist eigentlich simpel: Kontext muss nah beim Agent liegen, schnell verfügbar und einfach zugänglich sein.

Für mich heißt das heute: im Repo, als Markdown, direkt neben dem Code. Der Code ist schon ziemlich viel Doku. Was fehlt, ist das Drumherum, also die Idee dahinter, Entscheidungen, Sachen, die man bewusst nicht gemacht hat. Das schreibe ich auf und leg's dazu.

Netter Nebeneffekt: Code und Doku ändern sich zusammen. Früher hab ich was umgebaut und mir dann gedacht: Ach ja, im Wiki steht das ja auch noch. Und dann hab ich's natürlich trotzdem vergessen. Heute zieht der Agent die Doku im selben Schritt mit, und sie geht ganz normal mit durchs Review. Sogar Diagramme sind einfach Mermaid im Text.

Wie das bei mir aussieht

Bei meinen eigenen Projekten liegt die komplette Doku im Repo. Dazu ordentliche Pipelines, ein Release-Tool und ein paar Skills für Sachen, die ich ständig mache.

Ein typischer Abend sieht dann so aus: Mir fällt ein Bug auf. Ich beschreibe ihn kurz, der Agent findet die Stelle, wir fixen das zusammen, und dann sage ich: "Okay, und jetzt release mal." Und das passiert dann auch. Kein Suchen, kein Erklären, kein Zusammenkopieren.

Das geht sogar über den Code hinaus. Meine Sachen laufen auf einem eigenen VPS, und der Agent weiß, wie der aufgesetzt ist: welcher Reverse Proxy davor hängt, wie die Container organisiert sind, wo die Config liegt. Das steckt in einem eigenen Skill, weil ich keine Lust hatte, es jedes Mal neu zu erklären. Wenn ich ein neues Projekt online bringen will, sage ich nur: "Hey, wir wollen das deployen, schreib mal alles, was wir dafür brauchen." Ein paar Minuten später liegt da alles, was ich brauche.

Weniger tippen, mehr steuern

Was sich dadurch vor allem geändert hat: Ich tippe kaum noch selbst. Ich lese, prüfe und entscheide. Ich gebe die Richtung vor und setze Leitplanken, damit das Ding auch in ein paar Jahren noch wartbar ist.

Dazu gebe ich viel mehr ab, auch Kleinkram. Irgendein Port ist belegt, und der Dev-Server startet nicht. Früher hieß das googeln, wie ich den Prozess finde, der den Port blockiert, dann googeln, wie ich den beende, und dann drei Befehle von Stack Overflow ausprobieren. Heute sage ich Claude oder Codex: "Port 3000 ist belegt, mach den mal frei." Ich mach derweil was anderes, und wenn ich zurückkomme, ist es erledigt.

Genauso beim Wissen. Ich muss nicht mehr alles im Detail im Kopf haben und nicht warten, bis jemand Zeit für meine Frage hat. Ich frag einfach.

Dass ich so viel abgeben kann, liegt aber auch daran, dass ich das Handwerk dahinter mal gelernt hab. Über die Jahre kriegt man ein Gefühl dafür, was gut ist und was eher nicht. Und weil man weiß, welche Mittel und Wege es gibt, sieht man auch, wenn der Agent mal wieder overengineert oder einfach die schlechtere Variante nimmt.

KI ist ein gutes Werkzeug, aber halt ein Werkzeug. Wer weiß, was er tut, wird damit richtig schnell. Wer nicht, produziert nicht nur schneller Code, sondern vor allem schneller Müll: Code, über den sich keiner Gedanken gemacht hat, und Architekturen, die einem in einem halben Jahr um die Ohren fliegen.

Und im Team?

Im Team würde ich es genauso machen: Doku als Markdown in einen Docs-Ordner im Repo, nicht verteilt auf fünf Tools.

Man könnte das noch weiterdenken. Ein Vorschlag, von dem ich selbst noch nicht weiß, ob er in der Praxis trägt: Jeder hat im Repo einen eigenen Ordner für Notizen und Gedanken, und ein Agent räumt da regelmäßig auf und zieht das Wichtige in die gemeinsame Doku. Dann wüsste der Agent nicht nur, was im Code steht, sondern auch, was sich die Leute dabei gedacht haben. Ob das wirklich funktioniert oder nach drei Wochen ein Friedhof ist, müsste man ausprobieren.

Vielleicht ist die Zukunft ja auch einfach Git. Ein Ordner voller Markdown-Files, in dem Menschen und Agents gemeinsam arbeiten, statt fünf Tools, die alle ein bisschen was wissen.

Bleibt die Frage nach den Leuten, die mit Git nichts am Hut haben. Da sehe ich ehrlich gesagt kein Problem. Man braucht eine klare Konvention für den Ordner und eine schöne Oberfläche drüber, mit der jeder bequem lesen und editieren kann. Sowas lässt sich heute mit KI super schnell bauen, und versioniert ist trotzdem alles.

Zeit, die eigenen Prozesse anzuschauen

Am Ende geht's mir gar nicht um ein bestimmtes Tool. Die Art, wie wir Software bauen, ändert sich gerade ziemlich, und unsere Prozesse sind oft noch nicht hinterhergekommen. Wir arbeiten vielfach noch so, als müsste ein Mensch jede Info selbst suchen und im Kopf behalten.

KI bleibt. Also lohnt es sich, mal ehrlich draufzuschauen: Wo legen wir Wissen eigentlich ab? Wie schnell kommt man da ran, als Mensch und als Agent? Und wie viel Zeit geht jeden Tag fürs Zusammensuchen drauf?

Wer da ein bisschen umbaut, muss nicht mehr kopieren, sondern kann einfach anfangen.


PS: Ja, den Text hab ich mit KI erarbeitet. Die Gedanken und Ideen sind trotzdem alle meine, ich hab mir nur die Tipparbeit gespart. Weniger tippen, mehr steuern, ihr wisst schon.